10 Jahre Haus Kladower Forum – Rückblick 2005

Das Haus Kladower Forum wurde am 07.07.2007 eröffnet. Zum Jubiläum schauen wir nochmal zurück und veröffentlichen die alten Beiträge der Treffpunkte noch einmal. Weiter geht es mit 2005.

72 Frühjahr 2005

Unser Richtfest

Am 6. November 2004 feierten wir – wie im letzten Heft angekündigt – das Richtfest unseres Bürgerhauses. Wir wollten Gönnern und Interessierten den Sanierungsstand des Hauses zeigen und zugleich allen danken, die uns bisher ermutigt und unterstützt haben.

Rainer Nitsch bei der Festrede
Foto: Anne Lange

 

Bei nicht verlässlichem Wetter begannen einige Helfer schon früh mit notwendigen Vorbereitungen:

Zelte, Bänke und Tische mussten aus Räumen im Kulturgarten herbeigeschafft und auf dem Grundstück aufgestellt werden. Zur gleichen Zeit wurde das bestellte Fleisch bei der Firma Bolle abgebraten, geschnitten und in Wärmebehältnisse verpackt.

Pünktlich rollte der Werbewagen der Kindl-Brauerei mit Freibier und Selter an und die Drehorgel von Herrn Käsebier lockte mit schmissigen Liedern Zuschauer an.


Der Männergesangverein Eintracht Cladow 1919
Foto: Rainer Nitsch

Allmählich füllte sich der Gartenraum; viele Prominente waren erschienen und wurden von Rainer Nitsch, unserem damals amtierenden Vorsitzenden während seiner eindrucksvollen Festrede auch namentlich begrüßt, darunter: Dr. Peter Schabe, Projektreferent der Deutschen Stiftung Denkmalschutz; Dr. Jörg Haspel, Landeskonservator vom Landesdenkmalamt Berlin; Carsten-Michael Röding, Baustadtrat im Bezirksamt Spandau; Horst Sommer, Ausbildungsleiter am Oberstufenzentrum Bautechnik I. Alle diese Herren sprachen Grußworte und würdigten dabei auch die Leistungen und das Engagement des Kladower Forum e.V.

Rainer Nitsch schilderte die Entwicklung unseres Bemühens seit 1992 um Erwerb und Sanierung des Bürgerhauses. Trotz massiver Rückschläge, wie die Ablehnung beantragter Lottomittel, seien erfreuliche Fortschritte erzielt worden und das Dank vieler Helfer. Dabei dankte er namentlich den Herren Dr. Lohr und Treptau für entscheidende Hilfen bei unseren Bemühungen um Fördermittel. Er dankte auch Egon Ixmeier, der sich als Architekt und Bauleiter engagiert, Herrn Nellessen, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde in Spandau, und Dr. Anna Maria Odenthal vom Landesdenkmalamt Berlin für jederzeit bereitwillige Unterstützung.

Schließlich sprach ein junger Handwerker einen launigen Polier-Spruch und veranlasste, dass der unentbehrliche Richtkranz hochgezogen wurde. Darauf sang der „Männergesangverein Eintracht Cladow 1919“ unter der Leitung von Hans Kirschberger einige Lieder.

Der Spruch zum Richtfest; in der Tür: Horst Sommer vom OSZ Bautechnik I – Foto: Anne Lange

Während dieser Feierstunde wurden auch neue Kontakte geknüpft und Gespräche geführt, die für die weitere Sanierung des Bürgerhauses dienlich sein können. Zwischendurch wurden immer wieder frische Brötchen mit Bratenfleisch gereicht und Freibier, aber auch Glühwein und Selter angeboten.

Schließlich mussten die Spuren dieser Feier wieder beseitigt werden, d.h. Rücktransport der Tische, Bänke und Zelte, wobei Herr Kleßen mit Fuhrdiensten wieder behilflich war. Nun sind wir im Wort, das Bürgerhaus fertig zu stellen. Dafür brauchen wir weiterhin Ihre Hilfe durch Spenden.

Josef Chlodek

 

73 Sommer 2005

Alles hat seine Zeit

Diese tiefe Lebensweisheit steht schon in der Bibel. Jedwedes Kommen und Gehen sollte der Mensch einsichtig akzeptieren. Im Auftrage des Kladower Forum waren Rainer Nitsch und ich schon 1992 bereit, einen erfolgversprechenden Einstieg für ein „Bürgerhaus“ zu suchen. Er bot sich, als die letzte Bewohnerin des Marzahnschen Bauernwohnhauses Kladower Damm 387 im Jahr 1992 starb. Dieses Haus gehörte seit 1942 dem Land Berlin und wurde von der GSW verwaltet. Durch den Tod der Bewohnerin erlosch das gewährte Wohnrecht auf Lebenszeit, zugleich entstand für die GSW ein Problem; denn dieses Haus steht unter Denkmalschutz, doch eine notwendige Sanierung für Wohnzwecke rechnete sich nicht.

Um dieses alte, denkmalgeschützte Haus in zentraler Lage vor drohendem Verfall zu bewahren und für Kladow zu erhalten, bemühten wir uns um dieses Objekt und erreichten, dass die GSW dem Bezirksamt vorschlug, dieses Haus unter Auflagen dem Kladower Forum e. V. für kulturelle Nutzung anzubieten.

Doch wider Erwarten zogen sich die Verhandlungen hin. Schließlich im Sommer 1997 erhielten wir den Entwurf eines Erbbaurechtsvertrages für das Bürgerhaus. Doch unser damaliger Vorstand zeigte sich ratlos und unentschlossen. In zwei aufeinanderfolgenden Mitgliederversammlungen wurde über Chancen und Risiken des Vertrages kontrovers diskutiert; doch im November sprach sich eine ordentliche Mitgliederversammlung für ein Bürgerhaus aus. Mit diesem Beschluss konnte der Vorstand nicht umgehen, im Vorstand fand sich dafür keine Mehrheit. Deswegen wurde am 13.02.1998 auf einer vorgezogenen Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt.

Willi Gabel wurde Vorsitzender, Rainer Nitsch sein Vertreter. Dieser Vorstand arbeitete konstruktiv und erfolgreich:

  • der vorliegende Vertragsentwurf wurde überprüft,
  • ein Antrag auf Lottomittel vorbereitet.

Schon am 02.11.1998 erhielten wir vom Bezirksamt einen verbesserten Vertragsentwurf. Doch den konnten wir nicht unterschreiben, weil beantragte Lottomittel, die für unser Vorhaben unabdingbar waren, wider Erwarten nicht bewilligt wurden.

Doch unser Ziel, ein Bürgerhaus für Kladow, verfolgten wir weiter. Schließlich erfuhren wir, dass das von uns begehrte Haus der GSW übereignet worden war. Also nahmen wir unverzüglich Kontakt auf und bekamen außerdem unerwartete Hilfe: Am 31.01.2001 berichteten wir während einer Veranstaltung der Initiative Schönes Kladow über den Sachstand Bürgerhaus. Herr Scheunemann, Stadtrat a.D., der anwesend war, versprach, mit Herrn Esche, GSW, zu sprechen, um uns zu helfen. Schon am 09.03. teilte Herr Scheunemann uns telefonisch vorab mit, dass die GSW entschieden habe, uns das Bauernhaus zu überlassen. Später erfuhren wir das Ergebnis auch offiziell.

Am 15.03.2001 hat unser Vorstand einem Übereignungsvertrag zugestimmt, am 19.03. berichtete die „Berliner Morgenpost“ ausführlich „Kladow bekommt nun endlich sein Bürgerhaus.“ Und schließlich – trotz noch einiger Schwierigkeiten – wurde der Vertragsabschluss am 30.10.2001 notariell beglaubigt.

Der Vertrag beinhaltet:

Wir übernehmen das Haus Kladower Damm 387 mit einem Grundstück von 310 qm und weisen innerhalb von 15 Jahren einen Sanierungsaufwand von 400000 DM nach. Dank glücklicher Umstände konnte in Gesprächen mit den Herren Dr. Lohr und Treptau erreicht werden, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Landesdenkmalamt Berlin Finanzierungshilfen gewähren.

Dank der wertvollen Hilfen der Herren Scheunemann, Dr. Lohr und Treptau, dank der beständigen Mitarbeit der Herren Nellessen (Untere Denkmalschutzbehörde Spandau), Ixmeier (Architekt und Bauleiter), Sommer (Ausbildungsleiter am Oberstufenzentrum Bautechnik I in Spandau), dank der Mitglieder im Vorstand und im Fachausschuss „Bürgerhaus“ und dank der Spendenbereitschaft unserer Bürger konnten wir relativ schnell die Sanierung betreiben und am 06. November 2004 im Rahmen eines eindrucksvollen „Richtfestes“ Interessierten und Gönnern zeigen, was bisher erreicht werden konnte.

Im Nachhinein lässt sich feststellen, Beharrlichkeit und Entschlossenheit lassen sich durch nichts ersetzen. Alles hat seine Zeit. Meine Zeit, in Funktion für das Bürgerhaus tätig zu sein, läuft aus. Ich bin nun über längere Zeit in ärztlicher Behandlung, kann Termine also nur gelegentlich wahrnehmen und bin seit 1992 um 13 Jahre älter geworden.

Es gilt auch, alles geht weiter. Dankenswerterweise ist Horst Pessel bereit, meine Funktion zu übernehmen; er ist seit Jahren schon für „Schönes Kladow“ verdienstvoll tätig. Dennoch werde ich mich dem Fachausschuss weiterhin verpflichtet wissen.

Bürgerhaus mit neuem Putz
Foto: Rainer Nitsch

Und wie geht es weiter?

Wir wollen bis Ende 2006 die Haussanierung abschließen. Für dieses Jahr stehen insbesondere folgende Arbeiten an:

  • das Haus erhält einen denkmalgerechten Farbanstrich;
  • die Fenster werden repariert, an der Vorderfront auch die Jalousien (denkmalgerecht in Holz);
  • sonstige Fenster erhalten Holzläden;
  • die Kelleraußenwände werden isoliert.

Im Innern des Hauses werden

  • Fußböden verlegt;
  • Wände und Decken geputzt;
  • Toilettenräume ausgebaut.

Wir sind sicher, dass auch die Spendenbereitschaft anhält, damit wir die Fertigstellung des Bürgerhauses schon bald feiern können.

Josef Chlodek

74 Herbst 2005

Unser Bürgerhaus – Die (fast) unendliche Geschichte

Vergessen wir nicht: Bei den meisten Gewerken lernen „Azubis“, Auszubildende, bei uns am Bürgerhaus. Und einige der von uns beauftragten Firmen scheinen sich dem Arbeitsrhythmus der Auszubildenden stark angepasst zu haben. Deshalb wundert es nicht, dass der Istzustand und der Zeitplan etwas divergieren.

Dennoch, es geht ja weiter:

Foto: Rainer Nitsch

Das Haus wurde bis auf die Feldsteinfundamente rund herum aufgegraben, mit Zementmörtel berappt, mit Teerprodukten isoliert. Dann wurden zur Wärmedämmung und weiteren Schutz Styropor-Platten angebracht.

Der Einbau der Warmwasser-Gas-Heizung steht kurz vor dem Abschluss. Ab Herbst sind dann alle Räume, einschließlich der Kellerräume, beheizbar. Das Haus ist bereits an das öffentliche Abwassernetz angeschlossen. Die Toiletten-Anlage ist ebenfalls im Rohbau fertig.

Die Fenster stehen bereit und können eingebaut werden, wenn alle Verputz- und Fußbodenarbeiten abgeschlossen sind. Der bunkerähnliche Anbau an der Rückseite des Hauses ist endlich abgerissen worden.

Also: Es wird so langsam!

Und mit Ihrer Unterstützung (Spende), die wir dringend brauchen, kommen wir auch schneller ans Ziel.

Horst Pessel

75 Winter 2005

Was kostet das „Bürgerhaus“?

2006 gehen wir ins fünfte „­ Jahr der Sanierung und Renovierung des „Bürgerhauses“, Wir haben Sie in jeder Ausgabe der Treffpunkte über die erfolgten und beabsichtigten Arbeiten auf dem Laufenden gehalten. Darüber hinaus konnten interessierte Kladower sich bei mehreren Tagen der „Offenen Tür“ und beim „Richtfest“ vom Fortschritt überzeugen. Außerdem gibt die verteilte Broschüre „Bürgerhaus Kladow“ Informationen über die geplanten und vollzogenen Arbeiten.

Vandalismus am Bauzaun
Foto: Rainer Nitsch

Es ist verständlich, wenn es manchem nicht schnell genug geht. Sie wissen aber, dass die Entzerrung der Bauarbeiten für uns die einzige Möglichkeit ist, mit der Finanzierung zurecht zu kommen. Denn wir müssen für die uns gewährten Fördermittel mindestens noch einmal so viel Geld an Spenden und Eigenmitteln aufbringen. Das aber wäre in einem kürzeren Zeitraum nicht möglich. Zugleich können die Auszubildenden der Knobelsdorff-Oberschule Bautechnik I nur an zwei oder drei Tagen in der Woche auf der Baustelle tätig werden, in den Ferien überhaupt nicht. Sie sehen, das hat für uns auch eine gute Seite.

Die Kladower Öffentlichkeit, vor allem unsere zahlreichen Spender,  haben ein Anrecht darauf zu erfahren, in welcher Weise denn ihre Spende in die Wiederherstellung des Gebäudes eingegangen ist. Wir legen Ihnen deshalb hiermit eine tabellarische finanzielle Zwischenbilanz vor, die Auskunft über Herkunft und Verwendung der Mittel gibt. Einige der hier auftauchenden Zahlen bedürfen der Erläuterung.

Dazu gehört zweifellos die auffallend große Summe an Eigenmitteln. Hier verbergen sich z.B. direkte Spenden (2002: 8.411,90 Euro, 2003: 10.418,00 Euro, 2004: 11.994,63 Euro, 2005 bis Monat September: 6.825,75 Euro). In den Jahren seit 1993 hat das Kladower Forum in weiser Voraussicht unter Billigung durch das Finanzamt für Körperschaften Rücklagen geschaffen, die in die Eigenmittel eingegangen und nun leider fast aufgebraucht sind.

Als Eigenmittel konnten Tätigkeiten von Kladower Fachleuten angesetzt werden, die als Spenden an das Kladower Forum zurückflossen. Nicht unerwähnt soll die Tatsache bleiben, dass bereits vor dem Erwerb des Bürgerhauses auf dem Spendendurchlaufkonto beim Bezirksamt Spandau von Dr. Cremer für das Kladower Forum ein Betrag in Höhe von 50.000 DM für ein denkmalgeschütztes Objekt hinterlegt wurde.

Zu den Eigenmittel rechnen auch Erlöse aus Veranstaltungen, die voll dem Bürgerhaus zugute kommen, wie z.B. die jährlich stattfindende Versteigerung.

Unsere detaillierten Abrechnungen werden jedes Jahr dem Landesdenkmalamt Berlin und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgelegt, von einer Treuhänderin begutachtet und bestätigt. Eine erneute Prüfung erfolgt durch den Landesrechnungshof. Auch dem Bezirksamt Spandau sind wir den Nachweis der erfolgten Investitionen schuldig.

Sie sehen, das Kladower Forum ist nicht blauäugig in das „Abenteuer Bürgerhaus“ hineingegangen, obwohl bei einem über 120 Jahre alten Gebäude Überraschungen nicht ausgeschlossen werden können. Wie z.B. die Entdeckung, dass der Schwamm auch bereits das Dachgeschoss befallen hatte.

Sicher überlegt manddcher bei Abwägung der bisher investierten Gesamtsumme, ob es nicht günstiger gewesen wäre, dafür einen Neubau zu erwerben oder zu errichten. Die Antwort darauf ist einfach: Nur die Sanierung und Renovierung eines denkmalgeschützten Gebäudes ermöglicht den kostengünstigen Einsatz der Auszubildenden der Knobelsdorff-Oberschule Bautechnik I und die Beantragung von Fördermitteln, die für den Denkmalschutz gewährt werden können.

Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass alle für den Denkmalschutz zuständigen Stellen uns vor allem deswegen besonders gewogen sind, weil wir dieses anspruchsvolle Vorhaben in ehrenamtlichem Einsatz durchführen und das wiederhergestellte Objekt der Allgemeinheit dienen soll. Wir hoffen, dass die noch zu bewältigenden Arbeiten Ende 2006 abgeschlossen werden können. Selbstverständlich werden wir dann der Öffentlichkeit eine Endabrechnung vorlegen.

Rainer Nitsch