10 Jahre Haus Kladower Forum – Rückblick 2004

Das Haus Kladower Forum wurde am 07.07.2007 eröffnet. Zum Jubiläum schauen wir nochmal zurück und veröffentlichen die alten Beiträge der Treffpunkte noch einmal. Weiter geht es mit 2004.

68 Frühjahr 2004

Willi Gabel gebührt viel Dank

Josef Chlodek

Das Kladower Forum e. V. gründete 1992 den Fachausschuss „Bürgerhaus“ mit der Aufgabe, das alte, sanierungsbedürftige und denkmalgeschützte Bauernhaus Kladower Damm 387 als Begegnungsstätte für Kladower Bürger zu erhalten. Der Fachausschuss arbeitete zielstrebig und erhielt endlich im Sommer 1997 vom Bezirksamt Spandau den Entwurf eines Erbbaurechtsvertrages für dieses Haus. Doch dieser Erfolg machte unseren damaligen Vorstand ratlos und unentschlossen. Es fanden seinerzeit zwei außerordentliche Mitgliederversammlungen statt (am 10.9. und 29.10.1997). Über Chancen und Risiken wurde damals kontrovers diskutiert. Der Vorstand wollte zwischenzeitlich sogar das Projekt „Bürgerhaus“ aufgeben. Als jedoch im November 1997 die Mitgliederversammlung sich mehrheitlich für das Projekt „Bürgerhaus“ aussprach, konnte der Vorstand mit diesem Beschluss nicht umgehen; im Vorstand fand sich keine Mehrheit dafür. Das Projekt „Bürgerhaus“ stand also auf der Kippe.

Willi Gabel und Marion Wollenberg bei der
Vertragsunterzeichnung – Foto: Josef Chlodek

In dieser Situation konnte der Beschluss der Vereinsmitglieder nur umgesetzt werden, wenn ein anderer, williger Vorstand gewählt werden könnte. Das war damals sehr fraglich, denn warum sollen Mitglieder, die ehrenamtlich und selbstlos für den Verein tätig sind, auch noch bereit sein, finanzielle Risiken zu übernehmen? Doch an einer solchen Unentschlossenheit können große Vereinsziele scheitern!

Doch auf der wegen Neuwahl vorgezogenen Mitgliederversammlung am 13.2.1998 zeigte sich überraschend Willi Gabel bereit, im Sinne des vorliegenden Beschlusses für den Vorsitz zu kandidieren. Ohne Gegenkandidaten – was die Situation kennzeichnete – wurde er mit sehr knapper Mehrheit (23 :22) zum Vorsitzenden gewählt; Rainer Nitsch wurde sein Vertreter.

Christo in Kladow?
Zeichnung von Harry R. Fisch

Willi Gabel hat also in schwieriger Lage im Frühjahr 1998 den Vorsitz übernommen und sich mit den übrigen Vorstandsmitgliedern für das Projekt „Bürgerhaus“ eingesetzt. Der Vorstand arbeitete so konstruktiv und erfolgreich, dass Willi Gabel und Rainer Nitsch in den Jahren 2000 und 2002 wiedergewählt wurden, und zwar einstimmig. Wäre der Vorstand seinerzeit nicht unter Willi Gabel gebildet worden, hätte man im Interesse des Fortbestandes des Kladower Forum das Ziel, eine Begegnungsstätte für Kladower Bürger zu schaffen, aufgeben müssen.

Durch diesen Wechsel im Vorstand konnte der Fachausschuss seine Arbeit erfolgreich fortsetzen. Seitdem ist es gelungen, das Bauernhaus Kladower Damm 387 zu übernehmen und zwar mit der Verpflichtung, es innerhalb von 15 Jahren zu sanieren. Am 30.10.2001 wurde der Vertrag von Willi Gabel und Marion Wollenberg unterschrieben und danach notariell beurkundet. Außerdem konnte inzwischen erreicht werden, dass
1. die Haussanierung von Schülern der Berufsfachschule für Bauhandwerker (Knobelsdorff-Schule, Oberstufenzentrum Bautechnik I Berlin) durch- geführt wird (Ausbildungsleiter: Horst Sommer)
2. unser Vorhaben von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz seit 2003 gefördert wird und
3. auch das Landesdenkmalamt Berlin uns Förderung gewährt.

Diese Förderungen werden wir sicher auch künftig erhalten; denn sonst wäre bisher gewährte Förderung verlorenes Geld. Vor dem Hintergrund erschlossener Geldquellen können wir befreiter Sanierungsmaßnahmen planen und betreiben. Darüber haben wir regelmäßig berichtet und werden es auch künftig tun. Trotz aufgezeigter Hilfen bleibt unsere Arbeit von Spenden abhängig; denn anteilige Eigenmittel, die wir über Spenden aufbringen, sind Voraussetzung für Anträge auf Förderung.

Willi Gabels verdienstvolle Haltung in der Auseinandersetzung um das Projekt „Bürgerhaus“ darf nicht in Vergessenheit geraten. Ohne seinen Einsatz wäre das Projekt wohl aufgegeben worden.

Das wäre – wie wir heute erfreut feststellen dürfen – doch schade gewesen.

69 Sommer 2004

Sanierung wird zügig betrieben

Josef Chlodek

Zwar umgibt eine Wetterbauhalle schon seit vielen Monaten unser Bürgerhaus. In ihrem Schutz konnten notwendige Arbeiten im Obergeschoss, am Dachstuhl und inzwischen auch eine neue Bedachung in „Natur-Tonbiber-Kronendeckung“ ausgeführt werden.

Dass die Wetterbauhalle immer noch die Sicht auf unser Bürgerhaus versperrte, war begründet. Im Schutz der Plastikbahnen sollte noch der alte Putz von den Wänden abgeschlagen werden. Aber wegen Beschädigungen infolge stürmischer Tage, mussten dann die Bahnen doch entfernt werden. Trotz dieses vermeintlichen Stillstandes – wie interessierte Beobacht­er es sehen mögen – wird unser Haus doch zügig saniert. Ende 2001 haben wir das Haus mit der Auflage erworben, es in 15 Jahren und mit mindestens 400 000 DM Aufwand zu sanieren. Das war eine verpflichtende Aufgabe, der wir uns gestellt haben.

Dank glücklicher Umstände und zielstrebiger Gespräche konnte erreicht werden, dass unser Vorhaben von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und vom Landesdenkmalamt Berlin gefördert wird. Dadurch ist alles leichter und schneller möglich, als wir es seinerzeit ahnen konnten. Vielleicht brauchen wir für den Abschluss der Haussanierung nur noch 2 Jahre.

Dass die Sanierung nicht noch schneller geht, liegt darin begründet, dass wir Sanierungsarbeiten von einigen begründeten Ausnahmen, wie Schwammbeseitigung und Bedachung abgesehen nicht von Firmen ausführen lassen, sondern durch Auszubildende des Oberstufenzentrum Bautechnik I der Knobelsdorff-Schule, die nicht tagtäglich auf der Baustelle sein können, weil sie nebenbei auch noch Unterricht und Ferien haben. Insofern ist unsere Baustelle gewissermaßen ein Jugend-Ausbildungsobjekt und trägt so auch zur Förderungswürdigkeit unseres Vorhabens bei.

 

Arbeiten unter dem Dach
Foto: Rainer Nitsch

Inzwischen sind die Innenarbeiten in der oberen Etage nahezu abgeschlossen. Auch im Keller ist der alte Fußboden aufgenommen und erneuert worden. Alte Steine konnten bei der Erneuerung der Kniestöcke* im Obergeschoss vorteilhaft verwertet werden, weil ihr alter Farbton gut ins Bild passt.

Von erreichten Sanierungsfortschritten können sich Interessierte am 30.4. (Tanz in den Mai) während angebotener Baustellenführungen überzeugen. Die nächsten Arbeiten werden wieder im Blickpunkt der Beobachter stehen. Wir werden
– den alten Putz abschlagen
– die Außen-Kellerwände neu isolieren und schließlich
– das Haus neu verputzen.

Allerdings sind wir in unserem Bemühen weiterhin von Spenden abhängig; denn institutionelle Förderung, die wir von Jahr zu Jahr beantragen, setzten anteilige Eigenmittel voraus.

* Kniestock nennt sich die an der Traufseite eines Hauses aufgemauerte Außenwandkonstruktion, auf der die Dachkonstruktion aufgelegt – wird häufig auch Drempel genannt.
Traufe nennt man den Dachfuß, den Abschluss des Steildaches an der Dachrinne. An der Traufe müssen Öffnungen für die richtige Belüftung des Daches vorhanden sein.

70 Herbst 2004

„Wann fällt das Gerüst?“

Josef Chlodek

Diese Frage war während der angebotenen Führungen durch die Baustelle „Bürgerhaus“ am 30.4.2004 (Tanz in den Mai) oft zu hören.

Mit dieser Frage verband man die naheliegende Vermutung, dass Spendengelder vielleicht vergeudet würden, da ein Gerüst mit einer Wetterbauhalle über so eine lange Zeit teuer sein müsse.

Arbeiten unter dem Dach
Foto: Rainer Nitsch

Aber diese Befürchtung ließ sich leicht entkräften. Schon im Sommerheft 2004 ist dargelegt worden, dass wegen notwendiger Arbeiten im Obergeschoss des Bürgerhauses und seiner neuen Bedachung, eine aufgerüstete Wetterbauhalle nötig war. Inzwischen ist auch der alte Außenputz von den Wänden abgeschlagen worden, und der neue Putz soll schon bald aufgebracht werden. Danach fällt das Gerüst! Das Kladower Forum wird den Abschluss dieser Sanierungsphase zum Anlass nehmen, zu einem „Richtfest“ einzuladen, um offiziellen Förderern, Gönnern und Interessierten, das bisher Erreichte zu zeigen und die nächste Sanierungsphase zu beschreiben ein Straßenfest, wie damals am 15.12.2001 aus AnIass der Hausübernahme und des Beginns der Sanierung.

Und nun die Antwort auf die Frage nach den Kosten für das Gerüst und die Wetterbauhalle. Das Gerüst und die Wetterbauhalle sind Eigentum der Knobelsdorff-Schule, deren Auszubildende des Oberstufenzentrums Bautechnik I unter Anleitung von Handwerksmeistern, die an der Schule auch als Lehrer tätig sind viele Sanierungsarbeiten leisten. Das Gerüst und die Wetterbauhalle stehen den Auszubildenden, als Eigentum der Schule, jederzeit bei Bedarf zur Verfügung. Deswegen entstehen dafür keine Kosten. Diese technischen Hilfen werden, wenn sie in Kladow nicht mehr benötigt werden, möglichst gleich wieder an anderer Stelle aufgebaut, um eine Zwischenlagerung zu sparen.

„Bürgerhaus“ mit Wetterbauhalle
Foto: Rainer Nitsch

Also: Spenden oder andere Fördermittel werden durch Gerüst und Wetterbauhalle nicht vergeudet, im Gegenteil, sie wurden dafür nicht benötigt und somit eingespart.

Es erweist sich also immer wieder als Vorteil für uns, dass die Sanierung unseres Bürgerhauses der Knobelsdorff-Schule gewissermaßen als Ausbildungsobjekt dient. Dieser Umstand trägt auch zur Förderungswürdigkeit unseres Vorhabens bei. Inzwischen sind bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Potsdam und beim Denkmalamt in Berlin Fördermittel für 2005 beantragt worden. Und wir sind zuversichtlich, dass die Sanierungsarbeiten unseres Bürgerhauses durch Spenden weiterhin unterstützt werden. Sie wissen ja, Förderung setzt Eigenmittel voraus!

71 Winter 2004

„Richtfest“

Das Kladower Forum hat am 15.12.2001 im Rahmen einer Straßenfeier den Erwerb des „Bürgerhauses“ und den Beginn dessen Sanierung öffentlich erklärt.

Giebel des „Bürgerhauses“
Foto: Rainer Nitsch

Seitdem konnten beachtliche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Nun, da das Haus ein neues Dach erhalten hat und auch die Außenputzarbeiten am „Bürgerhaus“ zum Abschluss kommen, soll – wie bereits angekündigt – ein „Richtfest“ stattfinden und zwar am 6. November. Wir suchen also eine Gelegenheit, den Sanierungsstand zu zeigen und zugleich allen zu danken, die uns bisher ermutigt und unterstützt haben.

Neben vielen interessierten Bürgern erwarten wir u.a. Vertreter des Bezirksamtes Spandau, des Landesdenkmalamtes, des Oberstufenzentrums Bautechnik I und auch Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Vielleicht wird außerdem neben der Presse sogar das lokale Fernsehen vertreten sein.

Wenn Sie diese Hinweise lesen, ist das „Richtfest“ schon gewesen und man hat darüber wohl in der Presse lesen können. Vielleicht sind Sie auch dabei gewesen und hatten Gelegenheit, sich durch Besichtigung des Hauses von dem Sanierungsfortschritt zu überzeugen, den auch Sie mit Spenden ermöglicht haben. Und wie geht es weiter? Das Wetterdach wird in nächster Zeit demontiert; das Gerüst bleibt jedoch noch stehen, bis in einigen Monaten der neu aufgetragene Außenputz auch einen Farbanstrich erhalten haben wird. Außerdem sind für das Jahr 2005 insbesondere folgende Sanierungsmaßnahmen vorgesehen:
Fenster werden repariert und gestrichen, Jalousien werden repariert und die Fenster zum Hof mit Fensterläden geschützt;
die Außenseiten der Kellerwände werden neu isoliert;
Lichtschächte und Außentreppen zum Haus und zum Keller werden repariert.

Wir sind zuversichtlich, dass uns dabei weiterhin mit Spenden geholfen wird.
Josef Chlodek