10 Jahre Haus Kladower Forum – Rückblick 2003

Das Haus Kladower Forum wurde am 07.07.2007 eröffnet. Zum Jubiläum schauen wir nochmal zurück und veröffentlichen die alten Beiträge der Treffpunkte noch einmal. Weiter geht es mit 2003.

Ausgabe 65 – Sommer 2003

Nutzung des Bürgerhauses

Die Restaurierungsarbeiten gehen, nun alle sichtbar, gut voran. Das Dach ist inzwischen abgedeckt und einer neuen Bedachung in „Natur Tonbiber Kronendeckung“ steht, nachdem die Balkenkonstruktion saniert bzw. teilweise erneuert worden ist, nichts mehr im Wege. Um allen interessierten Bürgern den Fortschritt der Arbeiten deutlich zu machen, werden wir regelmäßig Baustellenführungen durchführen. Da die Termine bei Drucklegung dieses Heftes noch nicht feststanden, bitten wir Sie, die Aushänge an unserem „Schwarzen Brett“ und an der Baustelle zu beachten.

Immer häufiger wird die Frage  gestellt wie das Bürgerhaus, wenn es denn mal fertig ist, genutzt werden soll. In den drei folgenden vereinfachten Grundrisszeichnungen soll dies verdeutlicht werden. Die Nutzung der Kellerräume ist allerdings noch abhängig davon, ob die erforderliche Deckenhöhe erreicht werden kann (Tieferlegung des Kellerbodens).

 

 

Um diese Maßnahmen zu bewältigen, sind wir weiterhin auf Ihre Mithilfe angewiesen, denn wir haben keine 40.000 Euro Spende erhalten, wie fälschlich in einem Informationsheft behauptet wurde.
Willi Gabel

Ausgabe 66 – Herbst 2003

Arbeiten am Bürgerhaus

Das Bürgerhaus am Kladower Damm 387 ist zur Zeit von einer Wetterbauhalle umgeben, die notwendige Arbeiten am Dachstuhl ermöglicht, ohne das Innere des Hauses Regen und Hagel auszusetzen. Wir haben schon darüber berichtet, dass viele Balken oder Teile von innen stark vom Holzbock befallen sind. Ziel der denkmalgerechten Sanierung ist es, so viel an Substanz zu erhalten wie möglich. Das bedeutet, dass die befallenen Teile der Balken entfernt und durch neues Holz ersetzt werden. Diese Arbeit ist aufwendig und zeitraubend, aber nicht zu umgehen. Außerdem hat sich gezeigt, dass in versteckten Winkeln des Dachgebälks noch Reste des Hausschwamms vorhanden waren. Mit solchen Überraschungen muss jeder rechnen, der sich darauf einlässt, ein altes Bauernwohnhaus zu sanieren. Das kostet aber zugleich Zeit und zusätzliches Geld.

Der Statiker stellte fest, dass die Balken unter der unbedingt zu erhaltenden bäuerlichen Räucherkammer so stark geschädigt sind, dass ein Abfangen des Gewichtes nur durch eine Totalerneuerung möglich ist. So haben wir zwar Pläne für die erforderlichen Arbeiten. Wie sich die aber realisieren lassen, kann erst nach Freilegen der Gebäudeteile erkannt werden. Wenn etwa im Spätherbst die Wetterbauhallewieder entfernt wird, werden wir nicht nur über einen fertigen Dachstuhl, sondern auch über ein mit Biberschwänzen (Auflage des Denkmalschutzamtes) eingedecktes Dach verfügen. Bitte seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn Sie die Fassade des Hauses in dem anges¬chlagenen Zustand wiedersehen, den sie schon vor der „Verhüllung“ zeigte. Die Restaurierung der Fassade steht im Jahr 2004 auf dem Programm, wenn alles wie geplant verläuft. Dann wird ein Baugerüst notwendig sein.

Der marode Dachstuhl

Alles das ist nur dadurch möglich, dass die meisten Arbeiten des Bauhauptgewerbes von der Knobelsdorff-Schule, Oberstufenzentrum Bautechnik I, unter der umsichtigen Leitung von Herrn Sommer durchgeführt werden. Für die Auszubildenden verschiedener Gewerke ist das Haus Ausbildungsobjekt geworden. Das bedeutet aber z. B. auch, dass die Arbeiten nur an zwei oder drei Tagen in der Woche erfolgen können. Während der Schulferien liegt das Gebäude still, die Arbeiten werden erst nach Ende der Sommerferien wieder aufgenommen.

Wir haben jetzt den Vertrag mit der verbindlichen Zusage der Stiftung Denkmalschutz erhalten, unsere Baumaßnahmen im Jahr 2003 mit bis zu 40.000 Euro bei einer Gesamtbausumme von über 90.000 Euro zu unterstützen. Diese Zuwendung ist aber an Bedingungen geknüpft. Fördererwürdig sind nur denkmalschutzbedingte Arbeiten, Und wie bereits berichtet, bekommen wir nur genauso viel Geld, wie wir an Spenden erhalten. D.h., um ein Wort von Josef Chlodek zu benutzen, für jeden Euro Spende erhalten wir von der Stiftung Denkmalschutz einen Euro Zuwendung. Ihre Spende verdoppelt sich also. Wenn das kein Anreiz zu erhöhter Spendenfreudigkeit ist! Gleichzeitig haben wir einen Antrag auf Restmittelfinanzierung beim Landesdenkmalamt Berlin gestellt. Wir danken Frau Dr. Odenthal für ihre Hilfe beim Ausfüllen der Formulare und beim Zusammenstellen der umfangreichen Unterlagen. Die hier zu bekommende Fördersumme wird nicht sehr hoch sein, wenn wir denn eine Zusage bekommen. Unserer besonderer Dank gilt noch einmal Herrn Sommer für seine nicht nachlassende Bereitschaft, Sanierungs- und Kostenaufstellungen anzufertigen, sowie unserem Bauleiter, dem Architekten Egon Ixmeier, für seine sorgfältige Bauaufsicht und seinen kritischen Rat. Der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde in Spandau, Herr Nellessen, war stets für unser Anliegen ansprechbar und bereit, uns auch wenn die Zeit drängte zu unterstützen.

Auch für das Jahr 2004 sind die Anträge auf Fördermittel gestellt. Für die Mitglieder des Vereins im Fachausschuss Bürgerhaus unter der engagierten Leitung von Josef Chlodek und im Vorstand bedeutet die Beschäftigung mit der Sanierung eines denkmalgeschützten Bauernhauses Neuland. Für unseren 1. Vorsitzenden, Willi Gabel, wächst zeitweise der Arbeitsaufwand zu einem „Fulltimejob“ an.

Die erfolgreiche Unterstützung durch zuständige Behörden, Institutionen und nicht zuletzt durch die Kladower Bevölkerung ermutigt uns, den arbeitsintensiven und aufwendigen Weg bis zur Fertigstellung und Nutzung des Bürgerhauses weiterzugehen.

Ausgabe 67 – Winter 2003

Unser Bürgerhaus als offenes Denkmal

Denkmalschutz ist ohne Förderung nicht möglich. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz konnte als private Stiftung, Dank ihrer mehr als 140.000  Förderer, der Fernsehlotterie Glücksspirale und zeitweiligen öffentlichen Zuwendungen, in den letzten Jahren einen wichtigen Förderbeitrag leisten. Von 1991 bis 2002 hat sie zur Bewahrung von 78 Denkmalen durch 116 Fördermaßnahmen rund 8,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Im Jahre 2003 werden weitere 31 Projekte mit rund 2,2 Millionen Euro gefördert. Dank glücklicher Umstände zählt auch unser Bürgerhaus in diesem Jahre erstmals zu den geföderten Projekten. Allerdings setzt man dabei Eigeninitiative voraus, das heißt: Mindestens 50% der Baukosten eines Jahres muss der Eigentümer, also das Kladower Forum, über Spenden aufbringen. Erfreulicherweise erfahren wir auch noch Hilfe vom Landesdenkmalamt Berlin. Neben der Projektförderung hat die Bewusstseinsbildung in Sachen Denkmalschutz und Denkmalpflege große Bedeutung. Deswegen finden jährlich bundesweit Denkmaltage statt, in diesem Jahr vom 11. bis 14. September.

Innenansicht

In dem umfangreichen Begleitheft „Tag des offenen Denkmals in Berlin“, herausgegeben vom Landesdenkmalamt und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, war erstmals auch unser Bürgerhaus erwähnt. An zwei Tagen war auch unsere Bürgerhausbaustelle ein offenes Denkmal. Das haben Interessierte in starkem Maße genutzt. Am ersten Tag zählten wir etwa 30 Besucher, sie betrachteten interessiert die ausgestellten Skizzen und Tafeln über Raumnutzung und Baustufen der nächsten Jahre. Sie stellten auch viele, auch oft fachspezifisch, Fragen. So erfuhren sie, dass unser Bürgerhaus um 1880 erbaut und 1940 vom Land Berlin erworben wurde, seit 1992 unbewohnt ist, und wir uns seitdem um die Nachnutzung bemühen.

Die neue Eingangstür

Interessiert betrachteten sie die zur Zeit betriebene denkmalgerechte Wiederherstellung des Dachstuhls, der schon bald die neue Biberschwanzdacheindeckung tragen wird. Am zweiten Tag war der Andrang wesentlich größer (ca. 200). Es kamen auch ca. 50 Schüler der Knobelsdorffschule, die über eine Ausbildung zu denkmaltechnischen Assistenten eine Fachhochschulreife anstreben. Lehrkräfte erklärten ihnen vor Ort viele Baumaßnahmen, die damals, als das Bürgerhaus gebaut wurde, üblich waren.

So wurden damals z.B. die Ziegelsteine nicht maschinell, sondern von Hand geformt. Dazu diente ein einfacher Holzrahmen. Einzeln wurden die so geformten Steine mit einem Brett abgezogen. In Glindow werden solche handgestrichenen Ziegelsteine in benötigter Farbe und Form zu Restaurationszwecken von Sichtmauerwerk noch heute hergestellt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist bemüht, mit ihrer Förderung gerade dort Hilfe zu leisten, wo ohne diese Hilfe ein Denkmal verloren geht.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Denkmaltag allgemein und für unser Bürgerhaus im Besonderen davon überzeugen konnte, dass Spenden nötig sind, um der Vergangenheit partiell eine Zukunft zu sichern.
Josef Chlodek