Menschen aus der Region
Mascha Kaléko

Am 7. Juni jährte sich der Geburtstag der Dichterin Mascha Kaléko zum 110 Mal, an dieses Datum erinnete die TAZ mit folgendem Beitrag:

07.06.17 – TAZ – „18 Sommer in Kladow“

In einem Betrag in den Treffpunkten 1995 berichtetten wir über das Leben der Dichterin und ihren Bezug zu Kladow.

„SOUVENIR A KLADOW“

Im Juli 1994 beantragte das KLADOWER FORUM beim Bezirksamt Spandau die Umbenennung der Straße 179 in „Mascha-Kaléko-Weg“. Am 21.2.1995 beschloß das Bezirksamt, diesem Antrag zu entsprechen. Nach der Veröffentlichung im Amtsblatt steht damit der Umbenennung nichts mehr im Wege. Schon in Kladows Jubiläumsjahr 1992 bekam das KLADOWER FORUM von einer ganzen Reihe von Kladowern die Anregung, ob nicht Mascha Kaléko dadurch geehrt werden könnte, daß eine Straße nach ihr benannt würde. Das KLADOWER FORUM hat diese Idee aufgegriffen und versucht, in die Tat umzusetzen. Das ist nun zu unserer Freude gelungen.

Die Dichterin Mascha Kaléko hatte eine besondere Beziehung zu Kladow, und inzwischen ist auch in vielen Kladowern eine besondere Beziehung zu ihr gewachsen. Bei einer ganzen Reihe von literarischen und musikalischen Veranstaltungen des KLADOWER FORUM wurden Texte der Dichterin vorgetragen. Dabei hat sich bis heute bei einer ganzen Reihe von Kladowern fast so etwas wie die Haltung entwickelt, daß Mascha Kaléko „ihre“ Dichterin ist, also ein Stück zu Kladow gehört.

Mascha Koléko  / Foto: © Gisela Zoch-Westphal

Sie steht in der Tradition von Heinrich Heine und Kurt Tucholsky. Am 7.6.1907 in Galizien geboren, veröffentlichte sie schon vor 1930 eine Reihe von Gedichten in Berliner Zeitungen und schmale Lyrikbände, die weite Beachtung fanden. Sie gehörte mit anderen bekannten Berlinern zur literarischen Avantgarde. 1935 wurden ihre Bücher von den Nationalsozialisten verboten. Kurz nach der Reichskristallnacht 1938 verließ sie Deutschland und lebte als Emigrantin hauptsächlich in New York. Vor allem hier entstanden ergreifende, anrührende, sehnsuchtsvolle Gedichte, die ihre Erfahrungen und Empfindungen aus ihrem Leben an der Havel widerspiegeln.

Dazu gehört in erster Linie das Gedicht „Souvenir a Kladow“ mit dem Untertitel „Geschrieben im heftigen Vorfrühling Manhattans“. Sie beschreibt, daß sie“ achtzehn Sommer“ in dem Ort verbracht hat und die Erinnerung sie nicht ruhen läßt. Wir haben bisher nicht ausfindig machen können, wo und unter welchen Umständen Mascha Kaléko in Kladow gewohnt hat. Es ist anzunehmen, daß sie hier über Jahre hinweg die Sommermonate in einem Wochenendhaus verbracht hat, das ihr vielleicht Bekannte zur Verfügung gestellt hatten. Wir wissen, daß auf diese Weise sich viele Berliner in Kladow aufgehalten haben.

Jedenfalls muß Kladow für Mascha Kaléko eine außergewöhnliche Bedeutung gehabt haben. In der Emigration, gepeinigt von Existenzsorgen, hat sie sich an einen Ort erinnert, der ihre Sehnsucht nach Geborgenheit und Angenommensein repräsentiert, einen Ort, an dem sie sich achtzehn Jahre hindurch wohlgefühlt hat. Auch in einer ganzen Reihe von anderen Gedichten kommt ihre besondere Beziehung zur Havellandschaft zum Ausdruck.

Sie starb am 21.1.1975 vereinsamt und fast vergessen in Zürich.

Einmal benannte Straßen lassen sich nicht so ohne weiteres mit einem neuen Namen versehen. In Kladow gibt es aber noch eine ganze Reihe von Straßen, die lediglich mit Nummern versehen sind. Wir haben die Straße 179 als besonders geeignet angesehen, weil sie durchaus in ihrem Charakter eine Nähe zu der Lyrikerin Mascha Kaléko aufweist. Der Weg beginnt an der Imchenallee, führt am Wasserwerk vorbei, kreuzt die Friedrich-Hanisch-Straße, folgt der Mauer des ehemaligen Lehnschulzengutes Neukladow und endet an der Neukladower Allee vor dem Eingang zum ehemaligen Gut. Der Weg wird z. T. alleeartig von 100 bis 200 Jahre alten Bäumen gesä¬umt, ist weitgehend unbefestigt und führt an Wald und an der geschützten Grünfläche Golfplatz vorbei.

Über Monika von Lübtow, die in Spandau wohnt, konnten wir Verbindung zu der Nachlaßverwalterin Mascha Kalékos, Gisela Zoch-Westphal, in der Schweiz aufnehmen und ihr Einverständnis zu der Namengebung bekommen. Gisela Zoch-Westphal hat in den vergangenen Jahren das Werk Mascha Kalékos in Gedichtbänden, Langspielplatten, Musikkassetten und Vortragsreisen bekanntgemacht. Außerdem verfaßte sie eine Biographie über die Dichterin.

Wir wollen die Namengebung der Straße würdig und feierlich begehen. Da der ursprünglich dem Bezirksamt als Wunsch mitgeteilte Termin zum 21.1.1995, Mascha Kalékos zwanzigstem Todestag, nicht eingehalten werden konnte, denken wir nun an den 7.6.1995, ihren achtundachtzigsten Geburtstag. Wir werden uns bemühen, in Verbindung mit dem Bezirksamt Spandau diesen Tag festzulegen. Gisela Zoch-Westphal hat sich bereiterklärt, nicht nur zur Namengebung anwesend zu sein, sondern gemeinsam mit uns einen Mascha-Kaléko-Abend zu gestalten, der sicher zu einem besonderen Erlebnis werden wird. Dem stehen aIlerdings noch finanzielle Hindernisse im Wege. Die Kosten für die Anreise aus der Schweiz und den Berliner Aufenthalt sind nicht unerheblich. Deshalb wollen wir versuchen, auf verschiedenen Wegen die Kosten aufzubringen. Es wäre schön, wenn uns Kladower hierbei helfen könnten.

Wir glauben, daß auch diese Aktion dazu beitragen kann, dem „kulturellen Gesicht“ Kladows ein Stückchen mehr Profil zu geben, wie es Walter Böttcher ausgedrückt hätte. Vor allem, wenn wir als Kladower selbst aktiv werden und die Prägungen des Ortes nicht ausschließlich anderen überlassen.
Rainer Nitsch

Auch im Tagesspiegel  ist ein Artikel über Mascha Kaléko zu finden:

22.12.12 – Der Tagesspiegel:- Die leuchtenden Jahre

In unserer Region leben oder lebten immer wieder  bekante Persönlichkeiten, wenn Sie über bekannte oder vergessene Nachbarn Artikel im Netz oder in der Presse finden, schreiben Sie mir eine Mail. Wir werden die Reihe fortsetzen.